Herbstweine: Gibt's die wirklich?
In unserer Wein-Kolumne Im Kern. schauen wir genauer hin, räumen mit Wein-Klischees auf, zeigen Haltung, gehen tiefer und fragen auch mal nach dem Sinn. Ohne Lärm und Tamtam. Dafür mit Herz und der uns eigenen Art.
In diesem Beitrag dreht sich alles um die Frage:
Gibt es Herbstwein wirklich– oder ist das ein cleverer Marketing-Gag?
Jetzt im September flattern sie wieder in die Posteingänge: Sätze wie "Die Blätter färben sich bunt, die Temperaturen sinken und wir tauschen den Aperol-Spritz gegen Herbstwein." Tönt nett. Doch ganz ehrlich: Der Begriff Herbstwein ist keine offizielle Wein-Kategorie, sondern völlig willkürlich.
Trotzdem hat er was. Denn so wie wir im Sommer zu frischen Weissweinen oder Rosés greifen, trinken wir im Herbst oft Weine, die ein wohliges Gefühl auslösen. Der Begriff ist also kein Marketing-Gag, sondern ein Ausdruck dessen, wonach uns im Herbst ist.
Darum lass' uns auch auf die Frage schauen: Was macht einen Herbstwein aus? Das sind aus unserer Sicht nämlich drei Merkmale.
1. Kraft
Kraftvolle Weine wärmen die Seele und passen zu herbstlichen Gerichten wie Pilzragout oder Kürbisrisotto.
Ideale Begleiter: samtiger Merlot, würziger Syrah oder kräftiger Cabernet Sauvignon
2. Vollmundigkeit
Vollmundige Weine sind oft leicht cémig und richtig toll zu herzhafteren Speisen.
Ideale Begleiter: Chardonnays, die im Barrique gelagert wurden oder gereifte Weissburgunder (Pinot Blancs)
3. Aromatik
Würzige Gerichte mögen würzige Mitspieler, oder Gegenspieler mit einer knackigen Säure oder feinen Süsse.
Ideale Begleiter: lebendige Gewürztraminer oder Rieslinge jeden Alters
Fazit: Herbstwein ist genauso wenig eine eigene Kategorie wie Schlabberpulli oder Kaminabend. Trotzdem gehören sie unbestritten zum Herbst dazu. Und das finden wir schön.
In diesem Sinne: Geniesse die ersten kühleren Herbsttage und -weine!


